Warum am 15. Juni der Veteranentag gefeiert wird und warum wir denken, dass die staatliche Pflege patriotischer Aufopferungsbereitschaft kein Grund zum Feiern ist, erfahrt ihr im folgenden Text:
2025 richtete die BRD erstmalig einen bundesweiten Veteranentag aus. Auf der Internetseite des Verteidigungsministeriums heißt es dazu „der Einsatz und der Dienst aktiver und ehemaliger Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr“ solle „gewürdigt“, ihnen insbesondere am und mit dem Veteranentag „Wertschätzung und Dankbarkeit“ entgegengebracht werden. Auch der Verteidigungsminister Pistorius spricht von „Fürsorge Respekt und Wertschätzung (…) für unsere Veteranen und Veteraninnen“
Aber wozu das Ganze?
Seit der vor ein paar Jahren ausgerufenen Zeitenwende ist Deutschland auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit. Die neue durch den Ukrainekrieg „wachgerüttelte“ BRD will sich nicht mehr damit begnügen bloß ein ökonomischer Riese zu sein, sondern es nun auch militärisch zur Weltmacht bringen. Neben der materiellen spielt dabei auch die geistige Aufrüstung der Nation eine gewichtige Rolle.
So auch der neu eingeführte Veteranentag der diesbezüglich gleich in mehrerlei Hinsicht ziemlich nützlich ist. Das offensichtliche zuerst:
Es geht einerseits natürlich um die Veteran*innen in Deutschland. Also diejenigen Patriot*innen, die sich (bislang freiwillig) dazu verpflichten lassen, dem Staat als Gewaltmittel für die Durchsetzung seiner Zwecke zu dienen. Dabei wird von ihnen einiges erwartet. So sollen sie nicht nur selber befehlsgemäß Gewalt anwenden, sondern müssen sich umgekehrt auch der entsprechenden Gegengewalt z.B. anderer Staaten aussetzen. Sie riskieren also für “ihre” Nation schwerste körperliche Schäden bis hin zum eigenen Tod.
Dass das ziemlich viel verlangt ist, weiß auch der deutsche Staat. Umso wichtiger ist es ihm daher, diesen Berufspatriot*innen – den aktiven wie den ehemaligen, den lebendigen wie den toten – zur angemessenen Anerkennung und Würdigung durch die Nationalgemeinschaft zu verhelfen und insbesondere aktive und zukünftige Soldat*innen in ihrer nationalistischen Selbstaufopferung zu bestärken.
Andererseits stellt sich dem deutschen Staatspersonal das Problem, dass (trotz fleißiger Kampagnen) immer noch zu wenige seiner Bürger bereit sind, sich freiwillig für den Wehrdienst zu melden. Denn: Obwohl große Teile des Volkes die beschlossene Aufrüstung geistig voll mittragen, hält sich die Bereitschaft das eigene Leben zu opfern bei den jungen Leuten bisher eher in Grenzen. (Falls sich zu wenige Freiwillige finden, ist eine Wehrpflicht geplant.)
Der Veteranentag dient daher recht unverhohlen auch als Werbeveranstaltung für die Bundeswehr. So finden sich etwa auf der entsprechenden Internetseite (veteranentag.gov.de) unter der Kategorie „Geschichten, die bewegen“ Kurztexte von Soldat*innen mit Titeln wie „Es gibt viele Möglichkeiten bei der Bundeswehr“, „Die Arbeit auf der Fregatte wird nie Langweilig“ oder „Hier kann ich ganz einfach so sein, wie ich bin“.
Der Veteranentag ist also eine Veranstaltung bei der die radikalste Folgerung aus dem Patriotismus, nämlich die der vollkommenen Selbstunterordnung unter den nationalen Zweck, gewürdigt, gepflegt und beworben wird.
Davon, das eigene Wohlergehen für eine „Nation“ herzugeben, können wir —nicht bloß aus gesundheitlichen Gründen — nur abraten.
Denn der Nationalstaat ist kein Menschheitsbeglückungsverein, sondern die Unterordnung von Land und Leuten unter eine politische Herrschaft. Der Staat, der sich zum Diener des Allgemeinwohls macht, meint damit nicht das Wohlergehen aller, sondern das Funktionieren einer Gesellschaft, die schädlich für ihre Mitglieder (und andere Menschen) ist …Das lässt sich nicht nur am Krieg bemerken, sondern auch am stinknormalen kapitalistischen Alltag.
Wer dafür Argumente sucht, wird z.B. auf unseren Veranstaltungen und unserer Internetseite fündig.