Die Zeitung ZEIT klärt uns auf: „Dazu kommt, dass jeder Mensch nur ein gewisses Pensum an Resilienz hat. Es gibt keine Trennung für Privates und Berufliches – und da sieht Rigotti das größte Problem: ‘Die privaten Herausforderungen, ihre Heftigkeit und Frequenz haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.’ Damit meint er die Pandemie, die Kriege, die wirtschaftlichen Probleme des Landes und die Inflation. Auch die politische Polarisierung, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. ‘Diese gesellschaftlichen Einschläge außerhalb des Jobs kosten Ressourcen, die den Menschen im Arbeitsalltag dann fehlen.’” (aus: DIE ZEIT, 14.08.2025)
Aha. Wir lernen erstens: Alles, was nicht unmittelbar am Arbeitsplatz passiert, ist für den Resilienzpsychologen „Privatsache“:
· Kriege (die sich politischen Entscheidungen verdanken),
· wirtschaftliche Probleme des Landes (d.h. der mangelnde Erfolg der nationalen Ökonomie in der internationalen Konkurrenz),
· Inflation (d.h. die flächendeckende Entscheidung von Unternehmen, die Preise zu erhöhen).
Wir hätten jetzt eher gedacht, dass diese Dinge mit den gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun haben und gerade keine „privaten Herausforderungen“ sind. Das fällt dem Resilienzforscher ja selbst auf, wenn er von „gesellschaftlichen Einschlägen außerhalb des Jobs“ spricht. Aber ihn interessiert an diesen Lebensumständen vor allem eines: dass sie es schwerer machen, die geforderte Leistung im Job durchzuhalten. So übernimmt die Psychologie den Standpunkt des Unternehmen, dass die Arbeitskraft halt zu funktionieren hat – wie und unter welchen Umständen sie das hinbekommen muss, ist ihre „private Herausforderung“. Na danke dafür.
https://archive.ph/hZgn6#selection-1905.0-1905.589
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Veröffentlicht:11. Juli 2026Kategorie:Alle TexteKapitalismus
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