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C wie Chancengleichheit

„Alle sollen die gleichen Chancen haben“

Nicht nur in der Linken ist die Forderung nach „mehr Chancengleichheit“ bzw. „gleiche Chancen für alle“ weit verbreitet. Viele Menschen stören sich daran, dass bestimmte Gruppen (Frauen, Migrant:innen, Menschen ohne Akademiker-Eltern, Menschen mit Behinderung,…) in der Konkurrenz in der Schule, um Arbeitsplätze oder um Wohnungen benachteiligt und diskriminiert werden und dadurch häufiger den Kürzeren ziehen. Sie wollen also, dass es gleiche Ausgangsbedingungen für alle Konkurrenzsubjekte gibt. Auch wenn die Forderung nach Chancengleichheit meist gut gemeint ist, steckt in ihr also die Bejahung der Konkurrenz. Und das ist mal gar nicht ‚gut‘ – mindestens nicht für die vielen Verlier:innen, die in einer Konkurrenz systematisch produziert werden. Denn Konkurrenz bedeutet, dass es eine gesellschaftliche Hierarchie, dass es ein gesellschaftliches Gegeneinander gibt bei dem es notwendig Gewinner:innen und Verlierer:innen gibt. Das steckt ja auch im Wort „Chance“. Eine Chance ist die Möglichkeit, etwas zu realisieren – im Gegensatz zu Sicherheit. Ein gutes Leben ist in einer Konkurrenzgesellschaft also nie garantiert, sondern hängt immer am Abschneiden in der Konkurrenz. Dies mögen sich einige teilweise anders vorstellen, indem sie die Hoffnung haben, dass alle gemeinsam aufsteigen können. Richtig ist aber, dass in der Konkurrenz bei gleichbleibender Anzahl der Jobs, Wohnungen etc. eine höhere „soziale Mobilität“, also eine Bewegung in beide Richtungen bedeutet: Der Aufstieg der einen Person bringt dann den Abstieg einer anderen mit sich.
Für den Erfolg in der Konkurrenz sind (derzeit) Merkmale wie Hautfarbe, Geschlecht oder die „soziale Herkunft“ sehr entscheidend. Wenn Leute Chancengleichheit fordern, beinhaltet diese Forderung, dass solche Merkmale keine Rolle spielen sollen – es soll nur die „reine Leistung“ entscheiden, wer in der Konkurrenz gewinnt. Die Forderung nach mehr Chancengleichheit basiert letztlich also auf dem Ideal einer Leistungsgesellschaft.
Die Vorstellung von der „reinen Leistung“ bedient ein Ideal der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft, das mit ihrer wirklichen Funktionsweise nicht viel zu tun hat. Als wäre die Konkurrenz eigentlich (also ohne „ungerechte“ Diskriminierungen) ein feiner Mechanismus, der allen Gesellschaftsmitgliedern den für sie passenden Ort zuweisen würde.
Fein ist an dem Mechanismus wirklich gar nichts. Neben der Tatsache, dass systematisch Verlierer:innen produziert werden, bedeutet die kapitalistische Konkurrenz, von fremden Ansprüchen abhängig zu sein. Am Beispiel des Arbeitsplatzes: Nur wenn eine lohnabhängige Person profitabel für das Unternehmen ist, erhält sie den Arbeitsplatz. Oder anders ausgedrückt: Die Lohnabhängige muss beweisen, dass sie sich produktiver ausbeuten lassen kann als die Konkurrent:innen um den Job.
Mit dem Ideal der Leistungsgerechtigkeit und Chancengleichheit wird sich daher nicht nur über den Charakter der kapitalistischen Gesellschaft getäuscht, sondern auch noch selbstbewusst für die eigene Ausbeutung und somit den eigenen Schaden eingetreten.
Fazit: Diskriminierung z.B. aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts oder des „sozialen Hintergrunds“ ist mies, weil Menschen dadurch extra Härten in der Konkurrenz erleiden und Feindseligkeiten ausgesetzt sind. Deswegen ist es richtig sich gegen Abwertungen, Ausgrenzung und solche Feindseligkeiten zu wehren und tätig zu werden. Das geht allerdings auch, ohne sich das Ziel der Chancengleichheit zu eigen zu machen und damit für eine „gerechte“ Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft einzutreten, in der Hierarchie, Ausbeutung und Verlierer:innen dazugehören.