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CSD: Der ständige Kampf um gesellschaftliche Anerkennung und seine Sinnhaftigkeit

Queere Menschen stehen unter Beschuss. Sie erleben in dieser Gesellschaft an allen Ecken und Enden Benachteiligungen, Anfeindungen, Hass und Gewalt. Mit dem CSD wird versucht, sich gegen diese Zustände zu wehren. Leider mit zum Teil falschen Argumenten und einer falschen Zielsetzung.

„Unser Ziel bleibt die uneingeschränkte gesellschaftliche Anerkennung!“ Schreibt der Kölner CSD 2026 in seinem Aufruf. Gekämpft wird also dafür, in dieser Gesellschaft anerkannt zu werden. Ein nachvollziehbares Ziel, da die Nichtanerkennung sozialer Gruppen für sie ein unerträglicher Zustand sein kann.

Von Menschen, die Transpersonen von sportlichen Wettbewerben ausschließen möchten, bis hin zu “Stolzmonat“-Anhängern sehen sich queere Personen immer wieder Angriffen ausgesetzt – zuletzt sogar häufiger bei CSDs. Gleichzeitig sollte man sich aber fragen, was das für eine Gesellschaft ist, in der um Anerkennung dafür gekämpft werden muss, sich zu verlieben, in wen, und Sex zu haben, mit wem man will. Und ob das überhaupt ein vernünftiger Kampf ist. Denn diese Gesellschaft bringt nicht nur in Form von Armut, Konkurrenz und Arbeitsstress jede Menge Schäden und Leiden hervor. Sie steht auch unter der Herrschaft eines Staates, der „sein Volk“ als nützliches Menschenmaterial für seine Zwecke betrachtet und bewirtschaftet.

Dabei kommen auch gerne Moralkampagnen darüber, was „wir“ alles tun müss(t)en oder lassen soll(t)en zum Einsatz. Bis vor Kurzem galt es dabei als überholt oder rückständig, wenn sich der Staat dabei allzu sehr ins Sexualleben seiner Bürger:innen einmischt.

Aber das ändert sich gerade. Und zwar weltweit. Dass bestimmte Gruppen angefeindet werden, weil sie sich „unmoralisch“ verhalten, ist leider nichts Neues. Denn: Wer von Ursachen nicht wissen will, sucht eben nach Schuldigen. Dabei richten sich Hass und Gewalt vor allem gegen Gruppen, die die bestehende Cis-Hetero-Ordnung in Frage stellen.

Also gegen all diejenigen, die in diese angeblich natürliche, in Wirklichkeit aber gesellschaftlich hergestellte Geschlechterordnung mit ihren (nach wie vor) patriarchal geprägten zwei Geschlechterrollen nicht hineinpassen oder nicht hineinzupassen scheinen. Und das hat sehr viel mit der Gesellschaft zu tun, von der so manche:r Queer-Aktivist:in gerne anerkannt werden will.

Welche Gruppen es trifft, ist kein Zufall, sondern verdankt sich einem patriotischen Denken in einer nationalen Logik. Die meisten Menschen blicken mit einer nationalen Brille auf die Welt und fragen sich ständig, was gut und was schlecht für „uns“ und „unser“ Land ist. Aus dieser nationalen Perspektive folgen dann Ansprüche an die Mitglieder der Nation: Die Leute sollen mehr Gemeinsinn zeigen, nicht nur an sich denken, sondern auch an die Nation. Patriot:innen haben in der Regel eine Menge Nationalmoral im Gepäck. In ihren neueren Verlaufsformen beinhaltet die Nationalmoral, durchaus auch eine gewisse Inklusion: Alle sollen sich nützlich machen ungeachtet ihrer Hautfarbe, Herkunft oder eben Sexualität.

Aber es hat auch immer die Patriot:innen gegeben, die fanden, Feminist:innen und Queers seien schädlich für die nationale Gemeinschaft und Transmenschen ein Angriff auf die als natürlich konstruierte binäre Geschlechterordnung. Schwarz-rot-gold sei bunt genug und Lohnarbeitsvater-Hausfraumutter-Kinder die einzig richtige Lebensform und Keimzelle der Nation. Diese Leute haben gerade verstärkt Zulauf.

Nicht nur Faschist:innen, auch genug andere Patriot:innen radikalisieren den nationalen Standpunkt. Sie wollen, dass die Leute den Dienst für die Nation als ihre eigene Natur begreifen, die man nicht hintergehen darf und kann. Als Frau habe man (für die Nation) Kinder zu gebären und als Mann die Familie zu ernähren, dazwischen könne es nichts geben.

„Genderwahn“ und die halluzinierte „Frühsexualisierung“ seien eine Gefahr, da sie den Nachwuchs nur auf dumme, unzüchtige Gedanken brächten und Sachen in Frage stellten, die nicht in Frage gestellt gehörten. Darum seien queere Menschen generell eine Gefährdung der nationalen Moral oder jedenfalls kein guter Beitrag zu ihr.

Was das bedeutet?

Queerfeindschaft ist eine mögliche Konsequenz aus dem gewöhnlichem Alltagspatriotismus. Es ist zwar einerseits richtig, dass nicht jede:r Patriotismus zu Queerfeindschaft führt. Das ändert andererseits aber nichts daran, dass genau diese Gesellschaft, in der es normal ist von „wir“ zu sprechen und damit die Nation zu meinen, der Nährboden ist, der Queerfeindschaft und andere unerfreuliche Auswüchse immer wieder hervorbringt.

Nicht nur deswegen empfehlen wir: Nicht für die Anerkennung durch, sondern für die Überwindung dieser Gesellschaft kämpfen! Schönen CSD!