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Ganz schön radikal diese Linken – langfristig

Seit der Bundestagswahl 2025 ist „die Linke“ als Hoffnungsträgerin wieder da. Befreit von Sahra Wagenknecht Querfrontprojekten, mit coolem Auftreten in den sozialen Medien und einem richtig guten Wahlergebnis denken sich angesichts der politischen Situation auch viele radikalere Linke: Gut, dass es die Partei gibt, und vielleicht, ja vielleicht bewegt sie ja wirklich was in Richtung einer besseren Gesellschaft. Immerhin tun AFD und CDU/CSU ja so, als handele es sich um leibhaftige Kommunist:innen, und auch SPD und Grüne werden ja nicht müde, die Linkspartei als einen Haufen unrealistischer Idealist:innen darzustellen.

Das aber ist nicht zutreffend. Was von der Linkspartei – nur – zu erwarten ist, hat Jan von Aken, Bundesvorsitzender der Linkspartei in einem Interview („Im Grundgesetz steht das Wort Kapitalismus nicht“, Süddeutsche Zeitung, 11.8.2025, S.5, alle Zitate daraus) deutlich gemacht:

Er wolle “ keine Gleichmacherei, sondern demokratischer Sozialismus“ sei das Ziel. Wie wir uns den vorzustellen haben, hat er auch gleich verraten: „Ich habe nichts gegen Reichtum, ich finde auch, Leistung muss sich lohnen, und ich finde es total okay, wenn die Chefin oder der Chef auch mal mehr verdient, aber da muss es Grenzen geben. Eine Spreizung mit einem Faktor von zehn oder zwanzig zum Beispiel ist völlig in Ordnung.“

Damit ist schon mal klar, was von der Linkspartei nicht zu erwarten ist. Keine Kritik an der Eigentumslosigkeit der Arbeiter:innen und der damit einhergehenden Notwendigkeit, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen. Keine Kritik an der daraus folgenden notwendigen Beschränkung der Bedürfnisse durch den Lohn, der für das Kapital nur einen Kostenfaktor darstellt und darum zumeist entsprechend niedrig ausfällt.

Keine Kritik an der privaten Geldvermehrung als Prinzip der gesellschaftlichen Produktion, und ihren brutalen Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Kapitalismuskritik? Doch, doch hat die Linke schon: „Ich sage immer, wir müssen den Kapitalismus überwinden, aber ich meine den heutigen Kapitalismus.“ Und eben nicht den zukünftigen, der dann demokratischer Sozialismus heißt.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Einen radikalen Vorschlag hat Jan von Aken schon: Er will das aller Grund und Boden der „öffentlichen Hand“ (also dem Staat) gehört. Hui, das Grundeigentum wird abgeschafft! Aber Enteignung will er nicht: „Nein, das hieße, ab sofort dürfte kein einziger Quadratmeter mehr verkauft werden, vielmehr hätte der Staat überall das Vorkaufsrecht.“ Zeitrahmen: „100, vielleicht 300 Jahre.“ Und da sage noch eine:r die Linke hätte keine langfristigen Perspektiven. Der Kapitalismus bleibt uns in diesem 100- Jahres-Plan zwar erhalten, aber eine seiner Hauptklassen, das Grundeigentum wird abgeschafft.

Was das ändert?

Vielleicht die Miethöhe. In 100 Jahren. Wenn ihr immer brav Linkspartei wählt. Und sie allein regiert.

Vermutlich nennt sich sowas „Realismus“ im Gegensatz zu uns wirrköpfigen Radikalen, die tatsächlich doch die Ursachen von Armut abschaffen wollen.